Diskursprojekt: 30 Gedanken zum Tod
„Wer oder was ist der Tod?“ Niemand kennt aus persönlicher Erfahrung eine Antwort auf diese Frage.
30 Interviews mit betroffenen, begleitenden und behandelnden Menschen zu der Frage „Was ist der Tod“ sollen den aktuellen gesellschaftlichen Diskurs über den Tod – insbesondere in den sozialen Medien – anregen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt wird in Kooperation von der Universität Witten / Herdecke und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf realisiert.
Von Martin W. Schnell und Christian Schulz
„Wer oder was ist der Tod?“ Niemand kennt aus persönlicher Erfahrung eine Antwort auf diese Frage. Wenn ich tot bin, ist mein Ich, dessen Tod „mein Tod“ sein soll, nicht mehr. Dennoch ist der Tod etwas, über das im Leben – und nur im Leben – nachgedacht wird.
Das Nachdenken entsteht, weil der Tod offenbar nicht neutral ist, denn er wird erwartet, verleugnet, gefürchtet oder ersehnt. Der Tod betrifft jeden, denn er ist unausweichlich. Wir leben als endliche Wesen, ohne zu wissen, was uns am Ende und wann uns das Ende erwartet. Ziel des Diskursprojekts Der Diskurs „30 Gedanken zum Tod“ möchte dazu beitragen, dass öffentlich über den Tod in einer freien und zugleich in einer demokratieverträglichen Art und Weise debattiert wird. Es gehtdarum, Erfahrungen und Expertisen zum Ausdruck und zur Geltung zu bringen, die für den gesellschaftlichen Diskurs und für jede individuelle Person höchst wichtig sind. Damit sind auch Sichtund Handlungsweisen gesellschaftlicher Funktionsträger – z.B. Juristen, Politiker, Ärzte – gemeint.
Hintergrund und Aktualität Begriff und Sache des Todes sind keine rein wissenschaftlichen Expertenbegriffe, sondern auf jeden Menschen bezogen und insofern auch Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzungen. Der Hirntod ist als medizinisches Todeskriterium des Menschen weiterhin umstritten. Der Versuch, die Differenzen durch Rechtssicherheit am Lebensende (BGB § 1901a: „Patientenverfügung“) zu klären, erhöht eher den Interpretationsbedarf. Durch die im Februar 2014 ergangene Gesetzgebung in Belgien ist auch in Deutschland die Debatte um die sog. „Sterbehilfe“ erneut aufgeflammt. Im Deutschen Bundestag wurde darüber diskutiert, ob Beihilfe zum Selbstmord von Patienten durch Ärzte nicht komplett legalisiert werden solle. Diese Initiative führte zum politischen Dissens.
Der Tod ist nicht nur medizinisch, rechtlich und politisch umstritten, sondern auch in Kunst, Religion, Philosophie, Kultur und Alltag. Der Diskurs artikuliert und präsentiert „30 Gedanken zum Tod“ von: zehn Personen, die den Tod in unserer Gesellschaft definieren: z. B. Juristen, Politiker, Historiker, Archäologen, Journalisten, zehn Personen, die den Tod in der Konfrontation durchleben: schwerkranke und sterbende Menschen, alte Menschen, zehn Personen, die mit dem Tod Anderer konfrontiert sind: z. B. Ärzte, Pathologen, Seelsorger, Bestatter, Tatortreiniger. Durchführung des Diskurses Im August 2015 startete eine Interviewreihe, an deren Ende im April 2016 30 ausgewählte Personen ihre jeweilige Sicht auf den Tod geäußert haben werden. Die Interviews sind filmisch aufgezeichnet.
Die Filme sind zu Clips geschnitten und auf die Seiten der sozialen Netzwerke des Projekts gestellt: www.facebook.com/30GedankenzumTod www.30gedankenzutod.de/vimeo http://30gedankenzumtod.tumblr.com Jede und jeder kann die Videointerviews ansehen und möge die in ihnen aufgezeichneten Gedanken zum Tod kommentieren. Outcome des Diskurses Neben den über die Sozialen Netzwerke zugänglichen Videoclips steht eine Fotodokumentation am Ende des Diskurses, die alle 30 Interviewpartner portraitiert (vgl.: Martin W. Schnell/ Christian Schulz: 30 Gedanken zum Tod. Fotoportraits von Olaf Schlote. Mit einem Vorwort von Klaus Honnef, Nicolai-Verlag, Berlin 2016). Der Fotokünstler Olaf Schlote – Experte für den bildlichen Dialog mit Menschen in vulnerablen Situationen – hat die Fotoportraits erstellt.
Ergänzend widmet sich eine Begleitforschung der Frage, welche Vorstellung vom Tod die 30 Interviewpartner vertreten. Die Ergebnisse dieser Forschung werden ebenfalls veröffentlicht. In einer öffentlich angelegten Veranstaltung im April 2016 wird der Diskurs der Öffentlichkeit übergeben. Zu diesem Anlass werden alle Personen, die den Diskurs initiiert haben, zusammenkommen, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Das aktuelle Diskursprojekt „30 Gedanken zum Tod“ knüpft an das Projekt „30 junge Menschen sprechen mit sterbenden Menschen“ (www.30jungemenschen.de) an und erweitert dabei die Perspektive des Diskurses.
Während „30 junge Menschen“ die Sicht von Schülern, Auszubildenden und Studenten auf den Tod dokumentiert, bringt „30 Gedanken zum Tod“ Erfahrungen und Expertisen zum Ausdruck und zur Geltung, die von jungen Menschen nicht realisiert werden können, aber für den gesellschaftlichen Diskurs und für jede individuelle Person wichtig sein können. Aufruf Wer oder was ist der Tod für dich? Das Projekt ‚30 Gedanken zum Tod‘ zeigt, dass es zu dem Thema viel mehr zu sagen gibt, als es auf den ersten Blick scheint. Wir haben verschiedene Menschen überihre Ideen zum Tod befragt: vom Cartoonisten bis zum Rechtsmediziner, vom Buddhisten bis zur Bestatterin. Zu sehen sind die Gespräche in einer Kurzoder Langfassung auf verschiedenen Kanälen: www.facebook.com/30GedankenzumTod Jetzt sind wir neugierig auf Eure Reaktion - Was bedeutet der Tod für Dich? Wir freuen uns auf Eure Beiträge.
Projektinformationen gibt es auf: www.30gedanken.de www.vimeo.com/channels/30gedanken Kontakt zur Projektleitung: Prof. Dr. Martin W. Schnell (Schnell@uni-wh.de)

